Projekt 2

Der Seat Cordoba
Wissenswertes

Projektdaten

Start des Projekts: 01.06.2018
Marke: SEAT Cordoba Vario SXE 1,6 Liter
Motor: 1.6 Liter MPI-Moltor mit 74 kW (101 PS)
Fahrleistungen: 0 auf 100 in 10,7 Sekunden, 188 km/h Spitze
Verbrauch/Tankvolumen/Reichweite: ca. 7 Liter auf 100 km/ 53 Liter/580 km
Farbe: Yuca-Grün Metallic perleffekt
Kilometerstand: ca. 165.000 km

Ausstattung:
Unser Seat hat die hochwertige SXE-Ausstattung. Das heißt er hat ein 4-Kanal-ABS, Airbag für Fahrer und Beifahrer, dritte Bremsleuchte, elektrische Außenspiegel, Nebelscheinwerfer, Servolenkung, elektrische Fensterheber vorn, Zentralverriegelung inklusive Heckklappe und Tankverschluß, höhenverstellbarer Fahrersitz und Lenksäule, Radio mit DAB.

Anfang Juni 2018, knappe 3 Monate nach Gründung von car4twenty e.V., hatten wir die Aachener Zeitung angeschrieben, ob sie nicht vielleicht Interesse hätte, anlässlich unseres zweiten Projektes mit Jacky redaktionell über uns zu berichten.

Einige Tage später bekamen wir den Anruf der sehr engagierten Volontärin Nadine Tucay (inzwischen Nadine Eikermann und nunmehr Pressesprecherin unserer Stadt), die es gar nicht glauben wollte, dass wir unseren Verein absolut ehrenamtlich und ohne Bezahlung oder Aufwandsentschädigung durchführen. Kurze Zeit später besuchte Sie uns am Vereinssitz und Nadine führte ein positives Interview und drehte ein kurzes Q&A-Video mit unserem Vorstandsvorsitzenden Hajo und auch Jacqueline, die unser erstes Projektfahrzeug VW Passat bekommen sollte.

Einige Tage später erschien ein riesiger Artikel in der Regionalausgabe der Aachener Zeitung, worauf sich sofort einige Familien bei uns meldeten, die uns Sachspenden für unsere Benefiz-Flohmärkte übergeben wollten, u.a. eine sehr hochwertige Gartenmöbel-Garnitur, die wir sehr gut über Ebay verkaufen konnten und dann persönlich nach Kiel ausgeliefert haben.

Und dann erhielten wir diesen besonderen Anrufe von der sehr warmherzigen Familie Herzog aus dem benachbarten Herzogenrath, kaum 20 Kilometer von Baesweiler entfernt. Man hatte unseren Artikel gelesen, war begeistert von unserer Initiative und wollte uns direkt ein ganzes Fahrzeug schenken. Wir waren erstmal baff, denn mit soviel Gutherzigkeit und Engagement hatten auch wir nicht gerechnet. Dieses Fahrzeug war eben der „kleine Spanier aus Cordoba“, wie wir in im Verein liebevoll nennen und den wir Euch auf dieser Projektseite näher vorstellen.

Am 13.07.2018 war es dann soweit: Wir unterzeichneten den Schenkungsvertrag und konnten den spritzigen SEAT mit nach Hause nehmen. Die Überführung nach Baesweiler an einem sonnigen Freitag gestaltete sich ohne Probleme. Sicher, dem Auto fehlte ein wenig optische Liebe, aber die Substanz des Autos war sehr gut, der Motor schien gesund und im Vollbesitz seiner 101 Pferdchen, „Feurig“, dachte Hajo noch bei der 20-minütigen Heimfahrt und hatte schon eine genaue Vorstellung, wie der Seat nach seiner technischen und optischen Überholung einmal aussehen könnte.

Zur Historie:

Unser „Spanockelchen“ wurde im November 1997 erstmalig in Eschweiler zugelassen und blieb fast 15 Jahre in erster Hand. Dann wurde er verkauft, stand knapp 30 Tage zum Verkauf und fand dann im Oktober 2010 seinen zweiten Besitzer. Dort blieb er 2 Jahre bis März 2014 und wurde auf seinen dritten Besitzer in Herzogenrath zugelassen. Dann noch einmal eine Weitergabe an den vierten Besitzer im Jahr 2016 und dann Schenkung an uns im Juni 2018. Seit Juni 2018 wird er liebevoll wieder von uns aufgepäppelt´und wartet jetzt auf eine junge Mama oder einen jungen Papa mit Kind/Kindern, die mit unserem Auto ein wenig „Winder unter die Flügel“ bekommen sollen. So viel Wind, wie Don Quichote und Sancho Panza seinerzeit von den spanischen Windmühlen bekamen!

Im Gründungsjahr 2018 waren unsere finanziellen Mittel naturgemäß sehr begrenzt. Zum Jahresausklang hatten wir gerade mal 12 Vollmitglieder und damit monatlich 240 Euro zur Verfügung, die größtenteils dafür verwendet wurden, unser erstes Projekt (VW Passat) erfolgreich abzuschließen.

Doch im Januar 2019 konnten wir durch einige Sonderspenden und Darlehen unseres Vorstandsvorsitzenden Hajo endlich mit dem technischen Overhauling des Seats beginnen. Im Oktober 2018 war Heiko als Kfz-Techniker zu uns gestoßen, mit dem sich mittlerweile eine sehr positive und freundschaftlich geprägte Zusammenarbeit entwickelt hat. Wann immer wir also ein neues Projektauto technisch wieder flott machen wollen, geben wir es als erstes zu Heiko und bekommen dann innerhalb von wenigen Tagen eine Liste mit den notwendigen Arbeiten sowie eine erste Kostenschätzung.

Seitdem wir mit Heiko zusammenarbeiten, arbeiten wir mit definierten Reparaturaufträgen und Projektlisten, in die wir akribisch alle Anschaffungen und Ausgaben eintragen, sodass wir bei Übergabe wissen, was uns das Projekt im technischen und optischen Overhauling gekostet hat. Mit der Erfahrung aus nunmehr 5 Projekten können wir feststellen, dass wir es bei einem Auto eigentlich immer mit einigen grundsätzlichen Baustellen zu tun haben: Abgassystem, Bremssystem, Elektrik, Fahrwerk, Rost und TÜV. Unser Spanier machte da keine Ausnahme.

Wir begannen unser technisches Overhauling mit einem großen Inspektionsservice. Also alle Filter und Flüssigkeiten neu, Auslesen des OBD-Systems, Löschen aller Fehler und überprüfen, was nach den ersten Testfahrten wieder „aufploppt“. Im Rahmen der Elektrik bekam der SEAT eine brandneue VARTA-Batterie; die verbaute Batterie war bereits ein wenig altersschwach und wir wollten da keine Eventualitäten eingehen. Weiterhin war uns aufgefallen, dass der Heckscheibenwischer und die Heckscheibenreinigung nicht funktionierte. Die Ursache war ein Kabelbruch an der Heckklappe, wofür es glücklicherweise einen sehr günstigen Reparatursatz gab.

Da war der Ausbau des Dachhimmels schon aufwändiger. Die Reinigungsfunktion funktionierte nicht, weil die Spritzdüse im Heckscheibenwischer gebrochen war, sodass kein Wasser herauskam. Auch diese Spritzdüse gab es Gott sei Dank einzeln und nach deren Austausch funktionierte das gesamte System wieder. Abschließend tauschten wir die gesamte Lenkstockhebel-Einheit – diese hatte irgendwie einen „Schlag“ abbekommen. Betätige man die vorderen Scheibenwischer oder die Wischfunktion, konnte man die Scheibenwischer nicht mehr ausschalten und hatte sie nervigerweise auf Dauerbetrieb. So eine Lenktstockhebel-Einheit bekommt man für 70 Euro auf ebay-Kleinanzeigen (Stichwort: Schlachtfahrzeug), das Neuteil über einen VW-/SEAT-Händler wäre nicht zu bezahlen und ist – Baujahr 1997 – in vielen Fällen auch gar nicht mehr lieferbar. Dann reparierten wir noch die elektrische Spiegelverstellung. Der Bedienknopf war zwar noch vorhanden, doch die Trägerleiste war gebrochen und musste getauscht werden. Auch so etwas kann man finden und kostet um die 20 Euro.

Bremssystem: wir tauschten die vorderen Bremsscheiben und -beläge und gingen der leuchtenden ABS-Kontrollleuchte auf den Grund. Nein, es war nicht – wie zunächst angenommen – das ABS-Steuergerät; die Leuchte selber hatte einen Wackler.

Fahrwerk: leider mussten wir für neuen TÜV alle 4 Stoßdämpfer tauschen, die mit 300 Euro zu Buche schlugen. Auch die Räder mussten wir tauschen, da die montierten RIAL-Felgen für den SEAT nicht zugelassen waren. Originale SEAT-Felgen mit guten Sommerreifen hatten wir in weiser Voraussicht bereits im September 2018 für 150 Euro erstanden und mit denen sah der SEAT nun richtig schick und sportlich aus. Rost war so gut wie keiner vorhanden, lediglich die Endspitzen der Schweller mussten geschweißt und neu versiegelt werden. Neuen TÜV gab es dann am 12. Februar 2018 ohne jegliche Beanstandungen. Unser SEAT war wieder auf der Straße und wir konnten mit den ersten Testfahrten beginnen.

Anfang März nahm Hajo den Seat mit nach Castrop-Rauxel, zum Eisstrahlcenter Erin, und reinigte den Motorraum und die verschmockten Türeinstiege über eine Stunde mit Trockeneis. Für die freundliche Sachspende in Bezug auf das Eis und die Maschinenbenutzung dürfen wir uns noch einmal bedanken. Leider unterlief Hajo beim Reinigen ein kleiner Lapsus und er schoss mit der Eispistole den Zündverteiler an. Danach schüttelte der SEAT sich vehement bei der Gasannahme und der Zündverteiler musste für 350 Euro getauscht werden – ein teures Vergnügen.

Dann nahm Hajo den SEAT für die ersten 1.200 Kilometer mit nach Dresden und Berlin. Die endlosen Kilometer Autobahn verliefen ohne Probleme, selbst mit 4 Personen und viel Gepäck ging dem Seat niemals die Puste aus. Alle reparierten Systeme funktionierten einwandfrei. Einzig der heisere Klang aus dem Auspuff dünkte Hajo ein wenig seltsam und er gab den SEAT noch einmal Köln zur Kontrolle des Abgassystems: Rückmeldung nach einigen Tagen: der Mittelschalldämpfer hatte ein Loch und der Katalysator war komplett ausgeräumt – etwas, was Heiko zuvor auch noch nicht erlebt hatte. Neuer Katalysator für 75 Euro als Sachspende von Hajo und ein neuer Mittelschalldämpfer für 150 Euro inklusive Aus- und Einbau war die nächste Investition.

Tja, und dann kam der Sommer. Komisch, dass keine kalte Luft aus der Klimaanlage kam!? Was war da nur los? Wieder zurück in die Technik: der Klimakompressor war undicht und musste getauscht werden. Und nun unser Tipp für alle Schrauber mit dem gleichen Problem: bitte kein Billigteil für 100 Euro bei Ebay kaufen, auch wenn der Preis noch so verlockend erscheint. Kauft direkt ein vernünftiges Teil (beim Klimakompressor ist Hella eine gute Empfehlung) und ihr habt Ruhe.

Beim billigen Ersatzteil passiert folgendes: Ihr baut das Teil ein, befüllt den Kompressor mit sündhaft teurem Klimamittel, er funktioniert  die ersten Tage auch einwandfrei, doch dann schaltet ihr die Klimaanlage ein und würgt den Motor ab, weil das Klimakompressor-Rad blockiert. Dann müsste ihr das Klimamittel wieder abpumpen, auffangen, vernünftigen Kompressor kaufen und wieder befüllen. Dieser Spaß hat uns 570 Euro gekostet, wovon 240 Euro allein für das Klimamittel veranschlagt waren. Damit waren wir noch gut dran, denn es gibt Werkstätten, die fangen das frisch befüllte Klimamittel nicht auf und rechnen dann doppelt ab.

Von Februar 2019 bis August 2019 beliefen sich die technischen Investitionen auf insgesamt 2.100 Euro. Plus 150 Euro für 4 SEAT-Felgen plus Kleinteile stand das Projekt Anfang Oktober 2019 ca. 2.400 Euro.

Ist das nicht ein bisschen viel für so ein altes Auto! Ja, das stimmt, denn die Marktpreise für gut erhaltene Fahrzeuge liegen maximal bei 1.500 Euro. Doch als Verein sind wir nicht auf Gewinn aus, sondern investieren langfristig. Das bedeutet, dass wir jedes Auto auf eine Laufzeit von 6 Jahren anlegen. Wenn man dann 2.400 Euro durch 72 Monate teilt, dann relativieren sich die anfänglich hohen Investitionen auf 33 Euro im Monat. Das wären also im Prinzip 2 Vollmitglieder, die den SEAT und seine Anfangskosten über 6 Jahre getragen hätten. Und das wiederum klingt für uns nicht ganz so schlecht.

Mit den erledigten Technik-Investitionen konnten wir nun an die optische Überholung gehen.

Sprechen wir über das optische Overhauling!

Wir haben Euch eine Galerie mit Vorher-Nachher-Bildern online gestellt. Von Beginn an waren uns die Klarlackschäden auf Motorhaube und Dach als auch der „Pferdekuss“ am vorderen Kotflügel links ein Dorn im Auge. Anfang 2019 hatten wir aber noch keinen Lackierer in unserem Netzwerk, der uns Motorhaube und Dach eventuell hätte lackieren können.

Also sind wir konstruktiv vorgegangen und haben im Frühjahr 2019 intensiv nach einer Ersatz-Motorhaube und einem intakten Kotflügel gesucht. Beides fanden wir durch puren Zufall und auch noch in der passenden Farbe bei einer Autoverwertung in Köln-Wesseling. Man war dort sogar so freundlich und tauschte uns die Motorhaube vor Ort aus. 65 Euro haben wir bezahlt und für das Geld konnte man wirklich nicht schleifen, füllern, primern und neu lackieren. Bei der gleichen Firma fanden wir dann für 45 Euro auch einen mehr oder weniger intakten Kotflügel in Yuca-Grün-Metallic, gleichwohl nach der Montage ein starker Farbunterschied zu erkennen war. Diesen Farbunterschied zu beheben, ist noch eine Aufgabe, der wir uns vor Übergabe an den neuen Empfänger/die neue Empfängerin widmen wollen.

Wäre da noch unser „Sorgenkind“: das Dach! Viele Monate gab es da keine Lösung und wir machten keinerlei Fortschritte. Also haben wir zunächst einmal den Dachgepäckträger und die Halteschienen abmontiert, sodass man im Zweifel ohne Probleme sofort starten kann. Es war auch eine gute Idee, die Zierleisten in der Dachmitte zu entfernen, denn darunter befand sich Rost, der vor der Dachverschönerung auf jeden Fall behandelt werden muss.

An dieser Stelle dürfen wir die guten Nachrichten einstreuen: Seit einiger Zeit stehen wir mit Alexander Dicks in Verbindung. Er ist professioneller Lackierer in südlicher Nähe zu Köln und betreibt den tollen YouTube-Kanal German Car Painter (https://www.youtube.com/channel/UCx0r_O8duRYXIFYk6wxB5VA) und zeigt dort Tricks und Kniffe zum Thema Lackieren.

Wie wir auch hat Alexander sein Herz am richtigen Fleck und sagte uns anlässlich unserer aktuellen Suche nach einer neuen Familie bzw. einer jungen Mama oder Papa mit Kind in Zusammenarbeit mit dem ADAC NRW in Köln vor einigen Tagen seine Hilfe zu. Er wird das, was aktuell noch nicht so schön ist, in originalem Yuca-Grün-Metallic lackieren, sodass der Spanier wie aus dem Ei gepellt übergeben wird. Und für das Dach hat er eine ganz besondere Idee … mehr wird aber noch nicht verraten, denn es soll eine Überraschung werden!

Ende Oktober 2017 hatten wir ein YT-Video hochgeladen, in dem wir unsere Community informierten, dass wir unsere ersten beiden Familien gefunden hatten und nun einen passenden Kombi suchten. Ein paar Tage später meldete sich Lars bei uns. Einige Wochen zuvor hatte Lars uns einen magmaroten Opel Calibra geschenkt und nun engagierte er sich erneut und informierte uns über ein Auto, das im bayrischen Kirchenlamitz stand.

Es handelte sich um einen VW Passat Kombi aus dem Jahr 1999 mit 230.000 Kilometern Laufleistung, technisch im Groben und Ganzen okay und mit einem Jahr Rest-TÜV ausgestattet. Positiv war, dass der Passat mit dem unproblematischen 1.8-Liter Fünfventil-Motor ausgestattet war, der bei guter Pflege Laufleistungen von weit über 300.000 Kilometern erreicht. Einziges Manko war ein Riss in der Windschutzscheibe, die auf jeden Fall zeitnah ausgetauscht werden musste. Lars stellte den Kontakt zur Verkäuferfamilie her und so wurde man sich bei 890 Euro schnell handelseinig. Am 7. November 2017 überwies Hajo das Geld und bat die Verkäuferin, ihm schnellstmöglich die Fahrzeugpapiere und den TÜV-Bericht zu schicken, sodass er den Passat mit einem Kurzzeitkennzeichen von Kirchenlamitz nach Bamberg bewegen konnte.

Das Geld war schnell in Bayern, ebenso schnell waren die Fahrzeugpapiere in Baesweiler. Freitagmorgen, den 10. November 2017, kurz vor 9 Uhr hatte Hajo die Kurzzeitkennzeichen in der Hand, fuhr noch kurz nach Hause und machte sich dann mit Ute auf den Weg zum Passat. Die 555 Kilometer führten sie vorbei an Köln und Frankfurt, weiter nach Würzburg und Schweinfurt, an Bamberg vorbei und dann nördlich von Bayreuth auf die A 9 in Richtung Leipzig. Nach 7 anstrengenden Stunden Autofahrt – es gab einige Staus auf der Strecke und es regnete ununterbrochen – war kurz nach 17 Uhr der Garagenhof in der kleinen Ortschaft kurz vor der tschechischen Grenze erreicht.

Rückblickend betrachtet waren es nicht die besten Bedingungen, unter denen wir unser erstes Projektauto gekauft haben. Geld für ein Auto zu überweisen, das man nie zuvor gesehen oder gefahren hat, dessen genauen Zustand man nicht kennt, von dem man nicht wusste, ob es Reparaturstau hatte und wie regelmäßig es gewartet wurde – das alles kann ein sehr großes Risiko sein und sogar zum Totalverlust führen. Überhaupt ist es nie eine gute Idee, Entscheidungen unter Druck zu treffen.

Andererseits stand der Verlust eines noch viel höheren Zieles auf dem Spiel: wir hatten einer Familie uneingeschränkte Mobilitätshilfe zugesagt und die 8 Wochen, die wir uns für die Projektabwicklung reserviert hatten, waren nun abgelaufen. Nun stand der Totalverlust unseres noch reinen Images und unsere Glaubwürdigkeit gegenüber unserer Fangemeinde auf dem Spiel. Das gesamte c4t-Team und besonders Hajo war unter keinen denkbaren Umständen bereit, für relative geringe 890 Euro das bereits Erreichte aufs Spiel zu setzen, wofür wir Monate zuvor hart gearbeitet hatten. Deshalb zogen Hajo und Ute an diesem Wochenende voll durch und bekamen durch uns als Team volle Rückendeckung.

Jeder weiß, dass es im November um 17 Uhr bereits dämmert, also war der Passat nun schnell von außen zu besichtigen und die Probefahrt anzugehen. Der Lack war nass vom Regen, an eine genaue Überprüfung des äußeren Zustandes war nicht zu denken. Also Probefahrt. Das bereits 2 Wochen stehende Auto sprang beim ersten Schlüsseldreh sofort an. Raus aus dem Garagenhof und ab auf die Straße. Licht funktionierte, elektrische Fensterheber liefen rauf und runter, Bordcomputer hatte keine Pixelfehler und zeigte alles an, was er anzeigen sollte. Das Radio war ausgebaut, also keine Musik und in der Mittelkonsole war ein Soffite-Lämpchen kaputt. Hajo schaltete alle Gänge hoch – Befund in Ordnung. Hartes Bremsen auf gerader Landstraße – der Wagen blieb in der Spur. Anfahren im dritten Gang bei angezogener Handbremse um den Zustand der Kupplung zu prüfen – der Wagen würgte ordnungsgemäß ab. Lenkrad stand gerade, kein Zittern, keine Unwucht, keine besonderen Geräusche. Sonstige Meldungen? Keine! Ein grundsolider Wagen, dem einfach ein wenig Liebe fehlte. Und natürlich eine neue Windschutzscheibe.

Als Hajo von der Probefahrt zurückkehrte, hatte Ute schon die Werbetrommel für unseren Verein gerührt. Die Verkäuferfamilie freute sich, dass ihr Passat nun einer jungen Familie helfen würde, wieder auf die Füße zu kommen. Der Papierkram war schnell erledigt und so ging es dann zum Übernachtungshotel in Richtung Süden. Die 135 Kilometer nach Ramspau nördlich von Regensburg spulte der Passat ohne Probleme ab. Hajo gab die Geschwindigkeit vor, Ute folgte im privaten Astra. Kurz vor 20 Uhr war die gebuchte Ferienwohnung erreicht. Nach einem anstrengenden Tag und fast 700 abgespulten Kilometern fielen Ute und Hajo todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 8 Uhr. Hajo hatte ein paar Tage zuvor mit Johannes Rist von RJ Cleaning im nahen Schmidmühlen gesprochen und einen ganztägigen Beauty-Tag für den Passat bei ihm vereinbart (wer in und um Nürnberg bzw. Regensburg wohnt, der muss sein Auto unbedingt mal bei Johannes aufbereiten lassen. Seine am Haus umgebaute Garage mit eingebauter Hebebühne erinnert schwer an Tim Taylor’s Tooltime bzw. „Hör mal wer da hämmert“). Nach einer eisigen Nacht sprang der Passat wieder auf Kommando an. Kurz eine „Brezn“ und einen Kaffee bei einem dörflichen Bäcker eingeschoben, dann weiter zu Johannes nach Schmidmühlen. Die Tachoanzeige im neuen Leben des Passat stand nun bei 165 Kilometern.

Johannes stand am vereinbarten Treffpunkt (seine persönliche Haus-Waschanlage) schon bereit. Vermutlich seit längerer Zeit sah unser Passat mal wieder shampooniertes Wasser und passende Bürsten. Frisch gereinigt ging es dann in die Wundergarage von Johannes, die trotz der kalten Außentemperaturen bereits angenehm vorgeheizt war. Dort wartete schon Maximilian, der sich für den „guten Zweck“ ebenfalls den ganzen Tag reserviert hatte, ansonsten Johannes regelmäßig bei den Aufbereitungen hilft. Später kam noch Philipp dazu, der den letzten Schliff an die Technik legte und für ein Autoradio sorgte. So ging es dann los.

Von allen Seiten wurde der Passat geknetet, poliert, gesäubert, tiefengereinigt und nassgesaugt und so wurde nach unglaublichen 25 Mannstunden aus dem hässlichen Entlein wieder ein vorzeigbarer stolzer Enterich. Stolz wie Bolle drehten wir unseren ersten Carporn und luden ihn direkt bei Youtube hoch (Vorher-Nachher-Bilder findet Ihr unter dieser Teilsektion). An dieser Stelle dürfen wir Johannes und seinen netten Eltern als auch Maximilian und Philipp noch einmal für ihren unermüdlichen Reinigungseinsatz an diesem denkwürdigen Samstag danken.

Gern wären sie noch geblieben, doch Ute und Hajo mussten am selben Abend noch nach Bamberg. Dort war der Landgasthof Heerlein für die Übernachtung gebucht. Weitere 144 Kilometer waren abzuspulen und auf dem Weg dorthin bekam der Passat eine allerfeinste Vollbetankung. Anstrengend war nur, dass man nun den zweiten Abend im Dunkeln Kolonne fahren musste, zudem auf unbekannten Straßen und mit einem noch unbekannten Auto. Der Gasthof in Bamberg wurde vom Handy einwandfrei gefunden. Kurz noch eine Kleinigkeit essen und dann wieder früh ins Bett. Die beiden Tage auf der Autobahn und bei der Aufbereitung hatten Kraft gekostet und ihre Spuren hinterlassen.

Dritter Tag! Sonntag, der 11. November 2017, 9 Uhr morgens. Hajo steht vor dem frisch polierten Passat und dreht mit Ute das Intro für das dritte Video, dass die beiden an diesem Wochenende aufgenommen hatten. Freitag das Video mit der Ankündigung, dass man sich auf dem Weg zum ersten Projektauto befindet. Samstag in Schmidmühlen viel Video- und Fotomaterial von der Aufbereitung – ganz nach dem Geschmack von Hajo, das YouTube-Gesicht unseres Vereins.

Doch irgendwie fühlt sich etwas nicht ganz richtig an. Irgendetwas stört und macht Hajo innerlich unruhig. Die beiden übergeben in ein paar Minuten einen knappen Tausender Sachwert an eine Familie, die sie noch nicht persönlich kennen. Sie wollen auch nicht vor die Kamera und ihre Geschichte erzählen. Hajo ahnt schon, dass das die Community nicht gutheißen wird. Dann das Auto: es läuft zwar einwandfrei, ist aber technisch noch nicht im Einzelnen durchgeprüft. Eine Sichtprüfung von unten hat auch noch nicht stattgefunden.

Geht der bisherige Projektablauf für car4twenty in die richtige Richtung? Alle diese Unbekannten – schließlich ist car4twenty unser erster Verein und der Passat unser erstes Projekt – machen dünnhäutig. Nun darf nichts mehr schiefgehen. Mit dem Gedanken „Und selbst wenn, wir lernen jetzt einfach dazu und machen es beim nächsten Projekt besser!“ machen Ute und Hajo sich auf den Weg zur Familie.

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