Projekt 49

Der Volvo V70
Wissenswertes

Projektdaten

Projektstart: 01.05.2022
Übergabe des Autos: 13.08.2022
Marke: Volvo V70 Kombi (Kombilimousine, 5 Türen)
Motor: 2.4 Liter Dieselmotor mit 120 KW (163 PS)
Fahrleistungen: 0 auf 100 in 9,8 Sekunden, 210 km/h Spitze
Verbrauch/Tankvolumen/Reichweite: ca. 4,9 Liter auf 100 km/ 54 Liter/1.100 km
Farbe: Schwarz-Metallic
Kilometerstand: ca. 398.500 km
Erstzulassung: 01.02.2003
Bisherige Investitionskosten: 1.632,70 Euro

Ausstattung:
Unser Volvo V70 verfügt über zwei Airbags, ABS, Ausstattungslinie Premium mit Bordcomputer, 4x elektrische Fensterheber, elektr. Außenspielgel (beheizbar, anklappbar, mit Umfeldbeleuchtung), Regensensor, integriertem Telefonsystem, elektr. beheizbare Sitze mit Memory, Klimaautomatik, Leichtmetallfelgen, Lederlenkrad mit Multifunktion, Navigationssystem mit Slide-Out-Bildschirm, Audiosystem mit CD-Spieler. 

Ehemaliger Neupreis (2003): ca. 41.845 Euro

Skandinavien ist schön – unser Volvo ist aber noch schöner!

Werdegang

Im April 2022 – wir befanden uns gerade auf der Rückfahrt von Bayern und zogen den frisch gespendeten Citroen C4 auf unserem Hänger hinter uns her –  erhielten wir den Anruf einer Autojournalistin aus München. Lisa Brack, Chefredakteurin des Magazins EFAHRER.com hatte von uns gehört und fragte uns, ob man uns schon ein Elektroauto gespendet hätte. Wenn ja, würde sie gern redaktionell über uns berichten. Wir mussten leider verneinen, doch führten wir ein sehr angenehmes, empathisches Gespräch, in dessen Verlauf die Rede auf ein langjähriges „Familienmitglied“ kam: den zitierten Volvo V70 Kombi aus 2003. Das Auto war lange Zeit auf ihre Schwester zugelassen, wenngleich in den letzten Jahren hauptsächlich von ihrem Neffen, dem Sohn der Schwester, für sein Studium genutzt worden.

 

Seit einiger Zeit stand das Auto in einer Garage, wurde dann und wann gestartet und vorwärts und rückwärts bewegt. Doch nun sollte es verkauft werden. Lisa erzählte uns davon, dass ihr Neffe das Auto seit einiger Zeit inseriert hätte, doch bis dato kein Kaufangebot so richtig überzeugen konnte. Sie erwähnte dann noch, dass ihr Neffe den Verkaufserlös gern an eine gemeinnützige Organisation spenden würde. Das erschien uns, die wir immer verlegen um ein gut funktionierendes Auto sind, ein wenig kompliziert und wir schlugen vor, das Auto doch direkt als Sachspende an unseren Verein zu geben. Daran hatten Lisa und ihre Familie noch gar nicht gedacht und nach kurzer Rücksprache ging alles seinen gewohnten Gang.

 

Wir bekamen die ersten Bilder und Informationen zum Fahrzeug und konnten den Volvo trotz der hohen Laufleistung von fast 400.000 Kilometern immerhin mit 1.880 Euro bewerten. Nun machte es natürlich keinen Sinn, dass wir ein Auto aus München mit großem Aufwand nach Baesweiler holen und vor Ort reparieren, insofern wir Lisa und ihr Netzwerk bemühten, eventuell eine Reparatur der Standschäden von einer ihr bekannten Werkstatt in München durchführen zu lassen. Lisa konnte Nicole Schindelar, Geschäftsführerin der Schindelar GmbH für diese Aktion gewinnen, sodass wir die Kosten für die Ersatzteile (783 Euro) übernahmen und von Baesweiler nach München schickten und die Firma Schindelar ihre Arbeitsleistung in Höhe von 1.500 Euro sowie zwei neue Vorderreifen sponsorte. 

 

Am 13.08.2022 war das Auto dann technisch überholt und mit frischem TÜV endlich übergabebereit. Wir übernahmen den Volvo zunächst in unseren Leihbestand und verliehen das Auto an Julia G. aus Duisburg. Die 37-jährige alleinerziehende Mutter hatte uns einige Wochen zuvor kontaktiert, da sie mit ihrer alten A-Klasse liegengeblieben war und nun ohne Auto auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen war.

Aus 30 Minuten Arbeitsweg waren nun fast 3 Stunden geworden und da sie noch eine jüngere Tochter zum Kindergarten bringen und wieder abholen musste, war das in gebotener Zeit ohne eigenes Auto nicht mehr zu schaffen. Wir nahmen uns des Falles an und übergaben Julia unser Auto auf Leihbasis zunächst für 6 Monate (13.08.2022 bis 13.02.2023).

 

Während der Austausch und die insgesamte Kommunikation mit Julia G. zunächst sehr empathisch verlief, brach der Kontakt zu ihr unmittelbar nach Autoübergabe in München ab. Wir wurden von ihr geghostet. Ebenso erfüllte sie über einen längeren Zeitraum 2 wichtige Leihvertragsbedingungen nicht. Zwar zahlte sie die vereinbarte Kostenbeteiligung von 50 Euro einigermaßen verlässlich, allerdings kümmerte sie sich weder um den Mitgliedsantrag noch um den Nachweis der essenziellen Privathaftpflichtversicherung für Leihfahrzeuge.

 

Unsere zahlreichen Bitten, diese Versäumnisse nachzuholen, wurden schlichtweg ignoriert. Vor diesem Hintergrund hatten wir keine andere Wahl, als den Leihvertrag über unsere Sonderkündigungsklausel innerhalb der ersten 3 Monate aufzulösen, vor allem auch, weil wir innerhalb kürzester Zeit fünf schwere Geschwindigkeitsverstöße und ein Bußgeld im Rahmen einer Abschleppaktion zugestellt bekamen. Auf unsere Kündigungsnachricht und strikte Rückgabeaufforderung zum 13.11.2022 bekamen wir von Julia G. nach Wochen endlich eine Antwort. Sie empörte sich erheblich, dass wir ihre „Existenz nunmehr vernichten würden“ und forderte von uns, ihr den Wagen mindestens bis nach Weihnachten zu lassen. Sie könnte sich auch gar nicht vorstellen, warum wir so hart reagieren würden, sie hätte doch ihre Kostenbeteiligungen stets bezahlt; als unmenschlich und asozial wurden wir sodann von ihr beleidigt. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir jedoch schon P 47 als unterschlagen gemeldet und wollten und konnten uns eine zweite Unterschlagung nicht leisten. Nachdem wir am 13.11.2022 vergeblich auf unser Auto warteten, unternahmen wir einige Tage später eine nächtliche Suchfahrt nach Duisburg, leider ohne den gewünschten Erfolg.

 

Erst Anfang Dezember, 3 Wochen waren bereits verstrichen, erhielten wir überraschend den Anruf eines Bekannten von Julia G. Er informierte uns, dass Julia G. seit einigen Tagen in Untersuchungshaft sitzen würde und er nun beauftragt war, die Wohnung zu räumen und dafür noch einige Tage unseren Volvo nutzen würde. Nach Umzug würden wir das Auto dann abholen können. Fassungslos über dieses fast schon kriminelle Vorgehen fassten wir uns in Geduld und warteten auf den erlösenden Anruf, dass wir unser Fahrzeug in Duisburg abholen können. Am 11.12.2022, fast einen ganzen Monat nach Rückgabeaufforderung, könnten wir unseren Volvo V70 endlich wieder in Empfang nehmen: dreckig, schmierig, mit leerem Benzintank und leuchtender Öllampe hatte Julia G. in nur 3 Monaten sage und schreibe 13.000 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt, eine Fahrleistung, die selbst ein national tätiger Handelsvertreter kaum erfahren kann. Doch das Auto lief, war jedoch erheblich vernachlässigt. Wir können nur hoffen, dass dieses tolle Auto im kommenden Jahr in bessere Hände kommt.

 

Update Januar 2023:

Wir haben lange gesucht, jetzt haben wir sie in Hannover gefunden: die originalen Leichtmetallfelgen, auf denen unser Volvo damals die Fabrik verlassen hat. Die Fahrt nach Hannover war in einem Tag erledigt, die Monate der überholten Felgen und die folgende Fotosession hat ne Menge Spaß gemacht.

 

Update Februar 2023:

Wieder so ein Vorfall, den man eigentlich nicht braucht. Am 12.02.2023 sind wir mit unserem Volvo auf Anhänger wieder auf dem Weg in den Süden. Mit einer Volvo-Leihe für 3 Monate wollen wir dem 62-jährigen Siegfried helfen, der bereits im Januar 2022 nach unserer Hilfe gefragt hatte. Im Januar 2022 ist er frisch aus der Haft entlassen und bekommt als Vorbestrafter keinen Fuß auf die Erde. Er versichert uns, dass er sich die monatliche Kostenbeteiligung für unseren Volvo leisten kann und sich redlich bemüht, wieder ins Leben zurückzufinden. Wir als Verein werten nicht und vergeben unter bestimmten Umständen auch zweite Chancen, also wollen wir Siegried mit unserem unproblematischen Volvo unter die Arme greifen.

 

Wir sind noch 30 Kilometer vom Übergabeort entfernt, da bekommen wir von Siegfried die Mitteilung, dass er für längere Zeit gar nicht in Ulm ist, bald eine Kur antritt und  demzufolge auch unser Auto nicht mehr bräuchte. Als wir verwundert nachfragen, wer denn jetzt die Kosten für diese „Gratisaktion“ übernimmt, werden wir von Siegfried blockiert. Unanständiges Schweigen ist natürlich auch eine Strategie, sich seiner Verantwortung für eigenes Handeln zu entziehen! Denn eines ist ganz sicher: dass er am Tag der Anlieferung nicht zugegen sein würde und dass er auch auf Sicht kein Auto benötigt, das wusste er schon seit längerem. Betreten fahren Justin und Hajo nach Memmingen, parken den Volvo bis Ende März bei unserem Mitglied Benni zwischen und fahren am nächsten Tag mit leerem Anhänger in die Nähe von Baden-Baden, wo wir unseren unterschlagenen Opel Astra wieder in Empfang nehmen können. So langsam sind wir nicht mehr großartig überrascht, wenn wir als Verein von denen „gebissen“ werden, denen wir eigentlich helfen wollen.